Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren



Exkurs zum Artikel: Was ist das Bild des Tieres?



„Hinter dem Auftreten des Gesetzlosen steht der Satan mit seiner Kraft, was sich in allen möglichen machtvollen Taten zeigen wird, in Wundern und außergewöhnlichen Geschehnissen – allesamt Ausgeburten der Lüge – , in Unrecht und Irreführung aller Art. Damit wird es dem Gesetzlosen gelingen, die zu verführen, die ihrem Verderben entgegengehen. Sie gehen verloren, weil sie die Wahrheit, die sie hätte retten können, nicht geliebt haben. Deshalb schickt Gott ihnen einen Geist der Verblendung, der sie dazu bringt, der Lüge Glauben zu schenken. Das geschieht, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit.“ (2. Thessalonicher 2:9-12)

An dieser Stelle möchte ich noch kurz für diejenigen eine Erklärung anfügen, denen Bibelstellen wie die obige Angst machen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie das ist. Menschen mit einer bestimmten Prägung geraten durch solche Bibelstellen in einen Zustand wie das Kaninchen vor der Schlange und erstarren förmlich weil sie das Paradox zwischen dem liebenden Vater Gott, dem sie sich als Christen ja vertrauensvoll anbefehlen sollen und einem Gott, der jemandem „absichtlich einen unguten Geist schickt“ für sich nicht geklärt bekommen. Sie tun sich schwer mit dem Lesen der Bibel, aus lauter Furcht, schon wieder über einen weiteren dieser (nicht wenigen) Verse zu stolpern, der ihnen Angst vor Gott macht. Ständig sehen sie sich selbst als potentiellen Empfänger solcher „strafenden Züchtigungen“ von Gott weil sie sich der eigenen Unzulänglichkeiten ständig schmerzlich bewusst sind und diese in ihrer Wahrnehmung schwerer wiegen als die weniger gravierenden Schwächen anderer Leute.

Dazu sei gesagt, dass es in solchen Fällen enorm hilfreich sein kann, sich den entsprechenden Text in der Originalsprache anzusehen. Sowohl die hebräische Sprache (Altes Testament) als auch die griechische (Neues Testament) sind sehr viel facettenreicher als die deutsche und englische (und vermutlich auch etliche andere) Sprachen und kennen oft mehrere verschiedene Worte und grammatikalische Finessen um Nuancen in der Bedeutung des Gesagten viel feiner herauszuarbeiten als uns das in unserer heutigen Sprache möglich ist.

Ein ganz einfaches Beispiel dafür wäre das Wort „Liebe“. In der deutschen Sprache sagt ein Bräutigam zu seiner Braut: „Ich liebe dich“. Eine Mutter sagt zu ihrem Kind: „Ich liebe dich.“ Wir sagen Dinge wie “Ich liebe Bratkartoffeln.“ Im Englischen sagt man „I love it“ (Ich liebe es) zum Beispiel auch, wenn man einfach nur ausdrücken will: „Dieses Kleid gefällt mir!“ Jedem ist klar, dass das Wort „Liebe“ in all diesen Fällen eine völlig andere Note hat. Doch mangels Wortvielfalt benutzen wir in all diesen Fällen das Wort „Liebe“.

In der griechischen Sprache dagegen gibt es mindestens vier verschiedene Worte für „Liebe“, um diesen Feinheiten gerecht zu werden. Es gibt sogar eigentlich noch drei weitere, die nicht so häufig aufgeführt werden:

    1. Eros - romantische Liebe
    2. Philia: - freundschaftliche, kameradschaftliche Liebe
    3. Storge: - bedingungslose, familiäre Liebe, Mutterliebe
    4. Agape: - bedingungslose, sich selbst hingebende Liebe, Gottes Liebe
    5. Ludus: - spielerische, kokett flirtende Liebe
    6. Philautia: - Selbstliebe
    7. Pragma: - mitfühlende Liebe, Mitleid

Genauso gibt es auch grammatikalische Zeitformen, die sich nicht 1:1 in andere, weniger facettenreiche Sprachen übersetzen. Diesen Hintergründen ist es geschuldet, dass diverse Bibelstellen oft den Eindruck vermitteln als würde Gott aktiv etwas tun, obwohl das gar nicht der Fall ist.

Ich möchte es einmal am Beispiel des ägyptischen Pharaos verdeutlichen, von dem es in 2. Mose 9:12 heißt, dass Gott sein Herz verhärtete. Das hinterlässt den Eindruck, dass es – zumindest nach unserem menschlichen Ermessen – unfair war, den Pharao hinterher noch durch weitere Plagen zu bestrafen. Wenn Gott sein Herz verhärtet hatte, konnte der Pharao ja schließlich gar nicht anders handeln, oder? Hat der Mensch denn dann überhaupt einen freien Willen? Oder lässt Gott den einen Menschen gut und den anderen böse sein, so wie ein Drehbuchautor den Figuren in seinem Skript eine Rolle zuteilt?

An solchen und ähnlichen Fragen habe ich mich lange Zeit aufgerieben. Solange man derartige Passagen für sich nicht geklärt hat, bleiben Zweifel an Gottes Wesen und der eigenen Stellung gegenüber und Beziehung mit Gott. Man kann sich nicht wirklich entspannen, ist irgendwie immer „auf der Hut“ und lebt mit der latenten, leisen Furcht, dass man ja womöglich Gottes Gunst verlieren könnte.

Erst nachdem ich verstanden hatte, dass in diesen und ähnlichen Versen in der Bibel das verwendete Wort im Originaltext in einer passiven Form auftritt, konnte ich erfassen, wie solche Bibelstellen gemeint sind.

Gott hat das Herz des Pharaos verhärtet, so wie zum Beispiel die warm scheinende Sonne ein Stück Butter zum Schmelzen bringt. Die Sonne tut einfach, was sie immer tut und was ihr Wesen ausmacht. Der neben der Butter liegende Tennisball schmilzt nicht in der Sonne, auch nicht das T-Shirt oder die Zitrone. Die Sonne ist in diesem Beispiel die Konstante. Je nach Beschaffenheit der übrigen Gegenstände schmelzen sie eben oder auch nicht.

Gottes Wesen ist absolute Gerechtigkeit und absolute Wahrheit. Wer damit konfrontiert wird, kann je nach der Summe seiner bisher im Leben bereits getroffenen Entscheidungen und des daraus entwickelten Charakters ein Herz öffnen oder verhärten. Gott muss dazu gar nichts weiter tun als einfach nur existieren.

Ich hoffe, das hilft dem einen oder anderen weiter.