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Stelle das mir in Rechnung!


Ich möchte heute auf eines der kürzesten Bücher des Neuen Testaments eingehen: Philemon. Dort steht in den Versen 8 -18:

Darum, obwohl ich in Christus volle Freiheit hätte, dir zu gebieten, was sich geziemt, so will ich doch um der Liebe willen vielmehr eine Bitte aussprechen, in dem Zustand, in dem ich bin, nämlich als der alte Paulus, und jetzt auch ein Gefangener Jesu Christi. Ich bitte dich für mein Kind, das ich in meinen Fesseln gezeugt habe, Onesimus, der dir einst unnütz war, jetzt aber dir und mir nützlich ist. Ich sende ihn dir hiermit zurück; du aber nimm ihn auf wie mein eigenes Herz. Ich wollte ihn bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle diene in den Fesseln, die ich um des Evangeliums willen trage; aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun, damit deine Wohltat nicht gleichsam erzwungen, sondern freiwillig sei. Denn vielleicht ist er darum auf eine kurze Zeit von dir getrennt worden, damit du ihn auf ewig besitzen sollst, nicht mehr als einen Sklaven, sondern, was besser ist als ein Sklave, als einen geliebten Bruder, besonders für mich, wie viel mehr aber für dich, sowohl im Fleisch als auch im Herrn. Wenn du mich nun für einen Freund hältst, so nimm ihn auf wie mich selbst. Wenn er dir aber Schaden zugefügt hat oder etwas schuldig ist, so stelle das mir in Rechnung.

Jemand hat einmal über dieses kleine Buch gesagt, es sei das feinste unter den Briefen des frühen Christentums. Alles handelt von dem erbärmlichen, entlaufenen Sklaven Onesimus. Doch dieser entlaufene Sklave hatte sich bekehrt und war ein ehrlicher Mensch geworden. Der Brief wurde von dem Apostel Paulus an einen christlichen Haushaltsvorstand namens Philemon in der Stadt Kolossä geschrieben. Einige Jahre zuvor hatte Philemon durch den Kontakt mit dem Apostel Paulus zum Glauben an Jesus Christus gefunden. Wie eine Menge anderer christlicher Haushaltsvorstände in jenen Tagen besaß er Sklaven. Das Christentum hat die Sklaverei nicht umgehend aus der Welt getilgt. Die christlichen Sklavenhalter wurden nicht sofort dazu aufgerufen, ihre Sklaven freizulassen. Zur Zeit des Römischen Reiches, als das Neue Testament geschrieben wurde, wären viele dieser Sklaven nach einer Freilassung in einem viel schlimmeren und unglücklicheren Zustand gewesen als in ihrem Dasein als Diener in christlichen Haushalten. Und so gab es im Haushalt von Philemon einen Sklaven namens Onesimus. Onesimus bedeutet hilfreich. Doch Onesimus war nicht sehr hilfreich. Er trug einen guten Namen, aber er machte seinem Namen nicht alle Ehre. Menschen von dieser Sorte gibt es viele, nicht wahr? Viele Menschen nennen sich Christen, doch sie machen diesem Namen keine Ehre, weil sie den Christus nicht kennen, von dem sich diese Bezeichnung ableitet. Und so erwies sich Onesimus als ein schlechter Diener. Schließlich lief er seinem Herrn davon und verließ Kolossä, wobei er definitiv etwas vom Besitz seines Herrn mitgehen ließ. Wie lange er auf freiem Fuß war wird uns nicht gesagt. Wir erfahren auch nicht, wie er von Kolossä an den Ort gelangte, wo sich Paulus zu dieser Zeit aufhielt. Paulus befand sich zu dieser Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach als Gefangener in Rom. Wie auch immer – schließlich kam der Tag, an dem sich Paulus und Onesimus von Angesicht zu Angesicht gegenüber standen. Gott weiß den bedürftigen Sünder und den Botschafter Seiner Gnade so gut zusammen zu bringen! Und da stand Onesimus nun mit seiner Schuldenlast und einem schlechten Gewissen vor dem Apostel Paulus – dem Mann, den Gott gebraucht hatte um seinen Herrn Philemon zum Glauben an Jesus Christus zu führen. Ob Onesimus selbst ins Gefängnis geworfen wurde oder erfuhr, dass sich Paulus dort aufhielt und ihn aus eigenem Antrieb dort aufsuchte wissen wir nicht. Jedenfalls war die Folge dieses Zusammentreffens die, dass auch Onesimus Christus als seinen Erlöser kennen lernte. Man kann sich vorstellen, dass er einige Zeit nach seiner Bekehrung zu Paulus ging und sein Herz etwa auf folgende Weise ausschüttete: „Weißt du, ich habe eine schwere Last auf meinem Herzen. Ich weiß, dass Gott mich errettet und mir vergeben hat und ich freue mich auch an der Erlösung, die ich in Christus gefunden habe. Doch du weißt ja, dass ich ein Diener im Haus von Philemon war und nach dem Gesetz schulde ich ihm meinen Dienst und meine Zeit. Doch ich bin ihm davongelaufen und habe auch einiges von seinem Besitz mitgenommen und davon gelebt. Ich fühle mich so schuldig deswegen und ich möchte die Dinge so gerne in Ordnung bringen, weiß aber nicht, wie ich das anstellen soll. Ich habe ja alles ausgegeben. Ich habe nichts, womit ich meine Schulden zurückzahlen könnte und doch empfinde ich, dass ich zu Philemon zurückgehen und ihm meine Schuld bekennen muss. Ich weiß nur einfach nicht, wie ich das anstellen soll.“

Paulus mag geantwortet haben: Onesimus, ich kenne deinen Herrn sehr gut. Ich bin sicher, wenn ich ihm einen Brief schreibe und ihn bitte, dich deine Schuld abarbeiten zu lassen, dann wird er dazu bereit sein.“ Doch die Wahrheit der Gerechtigkeit ist so in Paulus’ Seele verwurzelt, dass er nicht damit zufrieden war, es dabei zu belassen. Nein, er sah in dieser Situation eine wunderbare Gelegenheit, das Evangelium der Gnade Gottes zu illustrieren. Und so sagte er zu Onesimus: “Ja, du solltest zurück nach Hause gehen. Du solltest zu deinem Herrn zurückgehen. Du hast nichts, um deine Schulden zurückzuzahlen, doch ich werde für dich bürgen. Ich werde einen Brief an Philemon schreiben. Diesen Brief nimmst du mit und gibst ihn deinem Herrn. Verteidige dich nicht selbst. Gib ihm einfach nur den Brief, aus dem er entnehmen wird, dass ich bereit bin, alles auf gerechte Art auszugleichen.“

Man kann sich vorstellen, wie dankbar Onesimus gewesen ist. Und dann kam der Tag, an dem er mit Paulus’ Brief in der Tasche nach Kolossä zurück reiste. Ich habe oft versucht, mir die Begegnung von Onesimus und Philemon bildlich vorzustellen. Vielleicht schaute Philemon gerade aus dem Fenster und dachte: “Ich frage mich, wer da die Straße entlang kommt? Er geht fast wie dieser unselige Onesimus, der mich bestohlen hat und weggelaufen ist. Doch der kommt ganz sicher nicht mehr zurück. Und doch sieht es ganz nach ihm aus.” Und schließlich – tatsächlich – erscheint Onesimus am Tor des Hases. Ich stelle mir vor, dass er einfach zu seinem Herrn ging und ihm den von dem Apostel Paulus geschriebenen Brief aushändigte. Philemon muss überrascht gewesen sein als er den Absender las: Paulus. „Wie, Onesimus? Bist du mit Paulus zusammen gewesen?” - „Ja, Herr, ich komme gerade von ihm. Er sitzt in Rom im Gefängnis.“ - „Tatsächlich? Der gute, alte Paulus. Der Mann, der mich zu Christus geführt hat. Mal sehen, was er schreibt.“

Nach dem Lesen des Briefes wird Philemon Onesimus vergeben haben. Ist das nicht ein wunderbares Bild des Evangeliums? So bringt der Herr Jesus Christus jeden armen, bußfertigen Sünder vor Seinen Vater und sagt: „Vater, er hat dir Schaden zugefügt und er schuldet dir mehr als er jemals zurückzahlen könnte. Aber stelle das bitte mir in Rechnung. Ich bezahle für alles auf Golgatha.“ Und so wird Onesimus hier zum Symbol für den Sünder, dem vergeben worden ist.

Ich bin sicher, dass Philemon Paulus nie eine Rechnung geschickt hat. Doch Jesus Christus musste den äußersten Preis bezahlen um dich und mich freizukaufen.

Doch wie geht die Geschichte weiter? Nun, Onesimus ist alle Schuld erlassen worden und Philemon hätte nun zu ihm sagen können: „Okay, Onesimus, dann gehe nun wieder in dein altes Zimmer im Dienertrakt, ziehe deine Reisekluft aus und deine Arbeitskleidung an und mache dich an die Arbeit. Du warst ja lange genug weg und da ist etliches liegen geblieben.“

Doch Paulus hatte ja an Philemon geschrieben: „Nimm ihn auf wie mich selbst.“ Folglich erhielt Onesimus das beste, sonnigste Zimmer im Haus und es wurde ihm zu Ehren ein Festessen aufgetischt. Ich kenne natürlich nicht die ganzen Einzelheiten. Aber ich weiß eines: Wenn der Herr Jesus die erlösten Seelen dem Vater präsentiert sagt Er: „Wenn du mich als deinen Partner betrachtest, dann nimm sie auch auf wie mich selbst.“ Die Bibel sagt, dass Er uns annehmbar gemacht hat in dem Geliebten. Der Herr Jesus selbst gebraucht in seinem Gebet zum Vater in Johannes 17:23 diese wunderbaren Worte: „…damit die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, gleichwie du mich geliebt hast.“ Das ist das Maß an Akzeptanz das der Vater demjenigen schenkt, der an Jesus Christus glaubt.